Was wir auf der Sonne noch nie gesehen haben

Was wir auf der Sonne noch nie gesehen haben

Eine Sensation: Neue Bilder zeigen erstmals winzige Wirbel auf der Oberfläche der Sonne. Die Entdeckung könnte helfen, große Rätsel der Sonne zu lösen.

Was wie Feuer aussieht, ist ein stark vergrößerter Ausschnitt der Sonnenoberfläche. Die feinen Streifen an den Rändern zeigen winzige Wirbel im heißen Plasma.
Quelle: NSF/NSO/AURA/MPS

Auf der Sonne brodelt und strömt es ununterbrochen. Riesige Mengen heißen Gases steigen auf, kühlen ab und sinken wieder nach unten. Bisher waren die kleinsten dieser Bewegungen nicht zu sehen. Jetzt hat ein Forschungsteam besonders scharfe Bilder gemacht. Darauf sind sogar winzige Streifen und Wirbel zu erkennen.

Möglich wurden die Aufnahmen mit dem Inouye-Sonnenteleskop (sprich: I-Nu-ei) auf der Insel Maui in Hawaii. Es ist das größte Sonnenteleskop der Welt. Sein Spiegel misst vier Meter. Damit kann es selbst winzige Einzelheiten auf der Sonne erkennen, obwohl sie rund 150 Millionen Kilometer von der Erde entfernt ist.

Wie Wellen im Meer

Die feinen Wirbel erinnern an Wellen, die sich kurz vor dem Strand einrollen. Sie entstehen, wenn sich zwei Schichten unterschiedlich schnell aneinander vorbeibewegen. Dabei wird die Grenze zwischen ihnen unruhig. Sie beginnt sich zu wellen und bildet kleine Strudel.

Diesen Vorgang kennen Fachleute schon seit mehr als 150 Jahren. Er lässt sich im Meer, in Wolken und sogar in der Luft beobachten. Dass solche Wirbel auch auf der Sonne entstehen, wurde schon lange vermutet. Nun ist es erstmals gelungen, sie dort deutlich zu erkennen. Genau das macht die neuen Sonnenbilder zu einer Sensation.

Keine feste Oberfläche

Was auf den Bildern wie eine feste Oberfläche aussieht, ist in Wirklichkeit eine Schicht aus extrem heißem Plasma. Das ist Gas, das so heiß ist, dass es sich verändert. Diese sichtbare Schicht der Sonne heißt Photosphäre. Dort herrschen Temperaturen von ungefähr 5500 Grad Celsius.

Die entdeckten Wirbel sind nur einige Dutzend Kilometer groß. Das klingt gewaltig. Für die Sonne sind sie aber winzig. Ihr Durchmesser ist mehr als hundertmal so groß wie jener der Erde.

Ein Rätsel der Sonne

Die Wirbel könnten helfen, ein großes Rätsel zu lösen. Die äußere Hülle der Sonne ist viel heißer als ihre sichtbare Oberfläche. Wie die nötige Energie dorthin gelangt, ist noch nicht vollständig geklärt. Die kleinen Strudel könnten Energie weitergeben und gleichzeitig die Magnetfelder der Sonne verdrehen.

Diese Magnetfelder spielen bei Sonnenstürmen eine wichtige Rolle. Bei solchen Stürmen schleudert die Sonne Strahlung und Teilchen ins All. Treffen sie auf die Erde, können sie Satelliten, Funkverbindungen, GPS und in seltenen Fällen sogar Stromnetze stören. Je besser die Vorgänge auf der Sonne verstanden werden, desto genauer könnten solche Sonnenstürme eines Tages vorhergesagt werden.

Unser Stern

Die Sonne entstand vor etwa 4,6 Milliarden Jahren und bildet das Zentrum unseres Sonnensystems. Acht Planeten kreisen um sie, darunter die Erde. Im Inneren der Sonne herrschen Temperaturen von rund 15 Millionen Grad Celsius. Dort entsteht die Energie, die Licht und Wärme bis zur Erde schickt. Ohne die Sonne wäre Leben auf unserem Planeten nicht möglich.

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