500 Tage allein in einer Höhle

Gesicht von 75.000 Jahre alter Neandertalerin nachgebildet

Sensation! Forschende haben in einer Höhle uralte Knochen einer Neandertalerin entdeckt. Ein Teil des Gesichts konnte nun wiederhergestellt werden.

So oder so ähnlich könnte die gefundene Neandertalerin ausgesehen haben
So oder so ähnlich könnte die gefundene Neandertalerin ausgesehen haben
Foto: Jamie Simonds / BBC Studios

Seit langer Zeit üben Höhlen auf uns Menschen eine magische Wirkung aus. Märchen erzählen von Drachen und anderen Wesen, die versteckt im Inneren der Erde leben sollen. Doch das ist alles nur Aberglaube.

Das heißt aber nicht, dass in Höhlen sonst nichts zu finden ist. Denn im Untergrund steht die Zeit fast still. Vieles hat sich seit Jahrtausenden nicht verändert. Höhlen sind also ein richtiges Tor in die Vergangenheit. Das wissen auch viele Forschende, weshalb sie sich immer wieder aufmachen, um jeden noch so kleinen Stein zweimal umzudrehen. Und dabei bekommen sie manchmal besondere Dinge zwischen die Finger.

Davon erzählt auch unsere heutige Geschichte. Denn bereits im Jahr 2018 entdeckten Forschende in der Shanidar-Höhle im Irak viele Splitter. Schnell stellte sich heraus, dass es sich dabei um Knochenstücke handelt. Anscheinend wurden die Knochen von einem herabstürzenden Felsen zerschmettert.

Für die Welt der Wissenschaft ist so ein Fund trotzdem oft wertvoller als pures Gold. Deshalb wurden weder Kosten noch Mühen gescheut. Die Überreste wurden aus siebeneinhalb Metern Tiefe geborgen und in ein Labor gebracht.

Ausgrabungen in der Shanidar-Höhle (Wikipedia)
Ausgrabungen in der Shanidar-Höhle (Wikipedia)

Neandertalerin nachgebildet

Heute, sechs Jahre später, wissen wir auch, von wem diese Knochen stammen. Und zwar von einer sogenannten Neandertalerin. Die Neandertaler waren Verwandte des Menschen, die bis vor rund 40.000 Jahren gelebt haben.

Und die Forschenden konnten noch mehr herausfinden: Die Knochen der Neandertalerin müssen wohl schon sehr lange in dieser Höhle gelegen haben. 75.000 Jahre hat die Dame bereits auf dem Buckel.

Besonders interessant: Teile des Schädels konnten im Labor wieder zusammengesetzt werden – ähnlich wie bei einem Puzzle (sprich: passl). Danach wurde der Schädel mithilfe des Computers untersucht. Rille für Rille, Loch für Loch. Dadurch konnten die Forschenden ableiten, wie das Gesicht der Neandertalerin ausgesehen haben könnte.

Viele verschiedene Menschen

An der Kopfform der gefundenen Frau sieht man zum Beispiel, wie ähnlich die Neandertaler den heutigen Menschen waren. Und das, obwohl es eigentlich wesentliche Unterschiede gibt. Auf der Erde hat es früher nämlich verschiedene Arten von Menschen gegeben. Der Neandertaler ist nur einer von vielen. Er dürfte sogar eine Zeit lang gleichzeitig mit den Vorfahren des modernen Menschen auf der Erde gelebt haben. Als modernen Menschen bezeichnet man diejenigen, die heute die Welt bevölkern.

Handelt es sich bei dem Fundstück also um eine Kreuzung zwischen beidem – Neandertaler und moderner Mensch? Möglich wäre es zumindest. Ob sich beide Menschen-Arten jemals begegnet sind, weiß man nicht so genau. Die Forschenden hoffen, dass Fundstücke wie diese etwas mehr Klarheit bringen. Doch das ist eine große Herausforderung. Denn so alte Knochen werden nur sehr selten gefunden. Die Suche geht also weiter …

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