Der Mann, der Dinosaurier aus dem Sand holt
Er hat auf fünf Kontinenten Dinosaurier entdeckt: Der US-Amerikaner Paul Sereno gilt als einer der bekanntesten Paläontologen der Welt. Sein neuester Fund: der Spinosaurus mirabilis.
Oft ist es ein einziger Moment, der alles verändert. Bei Paul Sereno war das ein Besuch in einem Naturkundemuseum in Chicago (USA). Als Student durfte er dort hinter die Kulissen schauen. Was er sah, ließ ihn nicht mehr los. Plötzlich wusste er, was ihn wirklich faszinierte: die Paläontologie, also die Wissenschaft von uralten Lebewesen.
Für ihn war Paläontologie die perfekte Mischung aus Reisen, Abenteuer, Kunst, Biologie und Geologie. Heute ist Paul Sereno Professor an der Universität Chicago. Seinen Beruf beschreibt er als ein Abenteuer mit einem Zweck. Denn seine Arbeit führt ihn in abgelegene Gegenden der Welt, wo er Spuren von riesigen Kreaturen sucht, die vor Millionen Jahren gelebt haben.
Funde auf der ganzen Welt
Seine erste große Forschungsreise führte Sereno nach Argentinien (Südamerika). Dort fand sein Team den Eoraptor, einen der ältesten bekannten Dinosaurier. Er war nur so groß wie ein Hund und schon vor 230 Millionen Jahren.
Später entdeckte Sereno in der Sahara Dinosaurier, das riesige „SuperCroc“ und einen großen Flugsaurier. Auch in Indien und in der Mongolei machte er wichtige Funde. Dort entdeckte er eine ganze Herde von 25 Dinosauriern, die vor 90 Millionen Jahren in einem Erdloch verunglückt waren.
Einer seiner wichtigsten Funde hatte allerdings nichts mit Dinosauriern zu tun: In der Sahara stieß sein Team auf einen uralten Friedhof aus einer Zeit, als die Sahara noch grün war. Besonders berühmt wurde ein Grab, in dem die Skelette einer Mutter und ihrer zwei Kinder eng beieinander lagen. Forschende nannten diesen Fund die „Steinzeitumarmung“.
Der Dino aus der Sahara
Seine neueste Entdeckung ist der Spinosaurus mirabilis, ein riesiger Fischjäger aus der Sahara im heutigen Niger in Westafrika. Dort grub Paul Sereno die Knochen zusammen mit seinem Team vorsichtig aus dem Sand. Mit kleinen Pinseln und feinen Werkzeugen legten die Forschenden sie Stück für Stück frei.
Und in der Wüste kann das ganz schön anstrengend sein. Dort kann es bis zu 50 Grad Celsius heiß werden. Kleidung, Hände und Gesicht sind immer voller Staub. Ein Beruf für echte Abenteurer.

Danach wird der Fund in Gips eingepackt, damit er wie in einem Schutzpanzer sicher transportiert werden kann. Im Labor werden die Knochen dann fotografiert, vermessen und eingescannt. So entsteht am Computer ein genaues 3D-Modell des Dinosauriers. Und am Computer sieht man dann zum ersten Mal, wie dieses Tier einmal ausgesehen haben könnte. Das ist für alle, die an dieser Ausgrabung beteiligt waren, immer ein besonders spannender Moment.
Eigenes Museum
Später sollen die Originalknochen nach Niger zurückkehren. In der Hauptstadt Niamey plant Sereno ein neues Museum, das „Museum of the River“. Dort sollen die Menschen mehr über die Urzeit ihres eigenen Landes erfahren. Bis dahin ist ein lebensgroßes Modell des Dinosauriers im Kindermuseum von Chicago zu sehen.
Noch ein Tipp! Hier findest du einen Film über diese Ausgrabung in Niger.
Spinosaurus mirabilis
Name: „mirabilis“ bedeutet auf Lateinisch „wundersam“.
Wann: Vor 100 bis 95 Millionen Jahren durchstreifte er die Erde, in der sogenannten Kreidezeit.
Wo: Im heutigen Niger in Westafrika. Heute ist dort Wüste. Damals: dichter Wald, breite Flüsse, riesige Fische.
Wie groß: Etwa 10 Meter, das sind zwei Busse hintereinander.
Wie schwer: Mehr als 7 Tonnen, so viel wie ein vollbeladener Lastwagen.
Sein Geheimwaffe: Oben und unten verhakten sich die Zähne beim Zubeißen wie ein Reißverschluss.
Sein Markenzeichen: Ein säbelförmiger Schädelkamm, fast einen halben Meter hoch. Forscher vermuten: Er war bunt gefärbt.
Berühmte Verwandtschaft: Er gehört wie der T. Rex zu den Fleischfressern. Sein Cousin, der Spinosaurus aegyptiacus, wurde schon 1912 in Ägypten entdeckt.
Entdeckt von: Paul Sereno und seinem Team, Universität Chicago. Veröffentlicht in der Fachzeitschrift „Science“, 2025.